| Die Türkei besitzt eine immer stärker florierende Wirtschaft, die seit 1980 durchschnittlich jedes Jahr um 5 % gewachsen ist. Es gibt allerdings einen großen Unterschied zwischen dem sehr gut entwickelten Westen mit den großen Städten und dem eher ländlich geprägten Osten. Das Zentrum von Handel und Wirtschaft ist Istanbul. Dort gibt es eine Börse und Umschlagsplätze für alle wichtigen Waren. Die wichtigsten Industriezweige sind in den Bereichen Textilherstellung und Nahrungsmittelproduktion zu finden. Auch die Produktion von Dieselmotoren, Traktoren und Bussen ist sehr leistungsstark.
Dass die Türkei im Vergleich zu den großen Ländern Europas immer noch wirtschaftlich im Nachteil ist, liegt auch daran, dass im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution das Osmanische Reich weitgehend unberührt ließ. Dies lag zum einen an der fehlenden Infrastruktur, aber auch an einer Mentalität, in der Unternehmertum kaum geschätzt wurde. Durch die günstigen Industriewaren anderer Länder geriet das Osmanische Reich jedoch unter gewaltigen Druck, da die einheimischen Produkte, die ausschließlich in Handarbeit gefertigt wurden, nicht mehr konkurrenzfähig waren. Dies führte sogar 1875 zum Staatsbankrott. Mit der Gründung der Republik nach dem ersten Weltkrieg wuchs zwar die Einsicht, dass die türkische Wirtschaft modernisiert werden musste, aber es fehlte an Know-How und Erfahrung. Mit massiven Investitionen wurde langsam die Industrielandschaft in der Türkei entwickelt, aber da es kaum ausländisches Kapital gab, zog sich dieser Prozess sehr lange hin. Genau genommen ist er noch nicht beendet, aber da die Türkei mittlerweile eine sehr gute Infrastuktur und eine gewachsene Unternehmerkultur besitzt, steht außer Frage, dass das Land in naher Zukunft sogar die wirtschaftliche Beitrittskriterien zur EU erfüllen wird.
In den letzten Jahrzehnten ist der Tourismus zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden. Über 20 Millionen Menschen verbringen jedes Jahr ihren Urlaub in der Türkei. Vor allem Deutsche, Russen und Britten schätzen die große Gastfreundschaft, die zudem zu relativ günstigen Preisen zu bekommen ist. Es gibt eine große Zahl von Ferienunterkünften, vom Luxushotel bis zur Ferienwohnung, so dass fast alle Ansprüche erfüllt werden können. Mittlerweile stagniert die Zahl der Touristen, allerdings auf hohem Niveau. Die Konkurrenz anderer Urlaubsgebiete, die mit noch billigeren Preisen locken, ist mittlerweile deutlich spürbar. Ob auch ein zunehmendes Ressentiment gegenüber muslimischen Ländern eine Rolle spielt, ist nicht genau zu klären. Als Gegenargument lässt sich das stetige Wachstum auch nach dem 11. September 2001 bis zum Jahr 2005 anführen. |